Achtsamkeit und die Entwicklung eines gesunden Selbstwertes bilden eine zentrale Grundlage psychologischer Arbeit – sei sie gesundheitspsychologisch oder therapeutisch.
Viktor Frankl hat – wie viele vor ihm – mit seinem bekannten Gedanken, dass „zwischen Reiz und Reaktion ein Raum liegt, in dem unsere Freiheit liegt“, bereits auf ein Prinzip aufmerksam gemacht, das heute auch in der Achtsamkeit eine wichtige Rolle spielt. Unsere Freiheit ist demnach nicht ausschließlich von äußeren Umständen abhängig.
Freiheit meint die innere Möglichkeit, zu einer Situation Stellung zu nehmen – sich „so oder so“ zu ihr zu verhalten, Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen dieser Entscheidungen zu tragen. Wir sind also nicht nur Opfer unseres Schicksals, unserer Gefühle oder Gedanken, sondern auch Mitgestalter unseres Umgangs damit. Niemand kann uns die Freiheit nehmen zu entscheiden, wie wir auf das reagieren möchten, was uns begegnet – ob im Hier und Jetzt, im Blick auf die eigene Vergangenheit oder in der Sorge um die Zukunft.
Gleichzeitig wirken in uns oft unbewusste Gedanken, Gefühle und daraus entstandene Muster, die unser Verhalten beeinflussen. Häufig geschieht dies wie aus einem inneren Autopiloten heraus, der uns in Situationen führt, die nicht immer hilfreich für uns sind.
Durch achtsame Wahrnehmung dessen, was in uns vorgeht, entsteht die Möglichkeit, diese inneren Prozesse bewusster zu erkennen. Erst dadurch wird es möglich, Abstand zu gewinnen, neue Perspektiven einzunehmen und anders zu handeln.
Selbstmitgefühl bedeutet in diesem Zusammenhang, sich selbst mit der gleichen Haltung zu begegnen, die wir auch einem guten Freund entgegenbringen würden: mit Verständnis, Geduld und einem wohlwollenden Blick auf das eigene Menschsein.
